Gott geht mit!
Impuls von Dekan Dietmar Zoller
Spring!
Ich erinnere mich noch gut an mein erstes Mal! Nicht an den Tag genau, aber an dieses Gefühl. Sprosse für Sprosse stieg ich hinauf und stand oben. Unter mir das Schwimmbecken. Drei Meter zwischen mir und der Wasseroberfläche. Drei Meter und dieser letzte Ruck, den ich mir geben musste. Dann eine Drittelsekunde freier Fall. Unten das gute Gefühl: Du hast es geschafft! Kein Sprung danach stellte mehr so eine Hürde dar.
Situationen, in denen ein Ruck durch uns gehen muss, gibt es immer wieder. Momente mit einer besonderen Dramaturgie:
Ob du als Kind den ersten Tag alleine in der Kita verbringst, als Erstklässler mit der Schultüte vor dem Schulgebäude stehst, deine erste Liebeserklärung über die Lippen soll, du mit dem Stift in der Hand auf die Unterlagen für eine wichtige Prüfung wartest, die Diagnose nach einer Untersuchung ansteht, ein Jobangebot beantwortet werden will, ein Flieger bestiegen werden soll, der in unbekanntes Neuland führt oder Menschen vor jener Zeremonie stehen, die zwei Lebensläufe zusammenführt.
Auch die Bibel erzählt von Menschen, die es wagen müssen, zu springen. Wie ein Sprung vom Zehnmeterturm scheint es bei Josua zu sein. 40 Jahre und jede Menge Wüste liegen zwischen dem Aufbruch aus der Knechtschaft in Ägypten und jenem Moment, vor dem Josua steht. 40 Jahre hatte Mose das Volk Israel durch die Wüste geführt. Und jetzt da Josua Moses Nachfolge antritt, scheint es nur noch ein kleiner Schritt bis zur Erfüllung aller Träume. Bis der Fuß das Land berührt, in dem Milch und Honig fließen sollen. Doch dieser letzte Schritt scheint es in sich zu haben. Dreimal kurz hintereinander wird Josua gesagt: „Sei getrost und unverzagt!“ Die Wüste, der Ort, an dem bisher das Leben stattgefunden hat, kennen eben alle. Was nun kommt, ist ungewiss. Was versprochen wird, klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Der Spatz in der Hand ist uns oft viel lieber als die Taube auf dem Dach! Und so zögert man im letzten Moment. Doch wer nicht springt, entscheidet auch! Entscheidet sich für das vermeintlich Sichere, das aber vielleicht gar keine Zukunft mehr hat.
Josua wird etwas gesagt, was den Sprung erleichtert. Es wird ihm kein heroisches „Sei ein Mann!“, um die Ohren gehauen. Vor seinem entscheidenden Schritt steht ein Versprechen mit Tiefengrund. Es ist die Zusage: „Dein Gott, ist mit Dir in allem, was Du tun wirst!“ Darauf gründet sich das gelassene Getrost- und Unverzagtsein eines Menschen. Das Grauen und Entsetzen bleiben vor der Tür, wenn ich mich in allem, von Gott getragen, gehalten und geführt weiß – übrigens auch im Scheitern!
„Habe ich dir nicht geboten: Sei getrost und unverzagt? Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht; denn der HERR, dein Gott, ist mit dir in allem, was du tun wirst.“ (Josua 1,9)
Mögen uns unsere großen und kleinen Sprünge in diesem
Vertrauen gelingen!
Dietmar Zoller, Dekan.
