
Wofür schlägt dein Herz?
Glaube weltweit
Rainer Fischer ist Ehrenamtlicher unserer Kirchengemeinde Billigheim-Ingenheim und hat fast 25 Jahre lang in einem Arbeitskreis unsere Partnerschaft mit der Gemeinde in Prestea verantwortet. Durch die Partnerschaft hat die Gemeinde dort eine KiTa, eine Schule, ein Gemeindehaus, eine medizinische Versorgungsstation im Regenwald und eine einfache Kirche bauen können. Momentan unterstützen wir 80 Kinder, damit sie die Grundschule besuchen können, und elf Begabte für den weiterführenden Schulbesuch. Rainer war etwa alle drei Jahre dort. Tätige Nächstenliebe ist seins. Er liebt Menschen. Früher hat er beruflich als Diakon die Jugendarbeit in unserem Kirchenbezirk gestaltet, danach ist er für den Missionarisch-Ökumenischen Dienst (MÖD) Landau mit einem Bibelbus durch die Pfalz zu KiTas, Schulen und Gemeindeveranstaltungen gefahren. Ebenso koordinierte er missionarische Projekte, Besuchsdienstgruppen und Bibelhauskreise. Er lebt mit seiner Frau in Billigheim, seine Kinder sind schon erwachsen und aus dem Haus.
Wofür schlägt dein Herz?
Ich nenne mal drei Dinge: Jugendarbeit, Gottes Wort als frohe Botschaft weitergeben und die Ghana-Partnerschaft.
Rainer, weißt du noch, wie es sich anfühlte, als du das erste Mal in Accra/Ghana aus dem Flugzeug gestiegen bist? Was war dein erster Eindruck?
Erster Eindruck: Als ich da raus bin, die Hitze, der andere Geruch, der Duft in der Luft und die Fülle von fröhlichen bunt gekleideten Menschen.
Mit welchem Menschen dort hattest du als erstes zu tun?
Im Woman Center in Abokobi haben wir ein Summer Hut gebaut mit acht Jugendlichen der Pfalz und acht aus der Presbyterian Church of Ghana (PCG). Die leitende Pfarrerin dort, Rose Ampofo, war mal ökumenische Mitarbeiterin bei uns in der Landeskirche.
Vom Kindergarten bis zur Regenwald-Station – welches dieser Bauprojekte war die größte Herausforderung und welches liegt dir besonders am Herzen?
Die Krankenstation im Ort Nkwaanta im Regenwald. Mit dem Auto braucht man zweieinhalb Stunden, bei Regen mindestens die doppelte Zeit. Imponierend und herausfordernd war die Begegnung mit dem lokalen Chief und seinem mehrköpfigen Stab. Durch die großen Entfernungen war eine medizinische Erstversorgung vor allem bei Unfällen und Schwangerschaftskomplikationen nicht gegeben. Deshalb wurde diese Station dringend gebraucht und unsere Partner konnten sie Dank unserer Spenden errichten.
Du warst etwa alle drei Jahre dort. Wie hat sich die Freundschaft zu den Menschen vor Ort über ein Vierteljahrhundert verändert?
Da sind Freundschaften und ein verlässliches Vertrauensverhältnis entstanden. Die Basis dazu war der gemeinsame Glaube. Der christliche Glaube verbindet über alle Verschiedenheiten und Grenzen hinweg, kulturell wie mental. Beeindruckend war die Begegnung mit diesen an vielen Stellen bedürftigen und dennoch fröhlichen, glaubenden Menschen.
Was können wir in der Pfalz von den Christen in Prestea in Sachen Glauben oder Lebensfreude lernen?
In all dieser Armut und Bedürftigkeit fröhlich und im Vertrauen auf Gott zuversichtlich zu leben: „Gott wird es schon machen!“ Immer und überall in fröhlicher Hoffnung auf Gott zu vertrauen. Ich habe da lebendige, fröhliche, inspirierende Menschen und unvergleichlich beeindruckende Gottesdienste erlebt. Die Partnerschaft und die Begegnung mit den Menschen in Ghana waren eine wesentliche Lebenserfahrung für mich und haben mein Weltbild verändert.
Du hast früher Jugendarbeit aufgebaut. Was war dir damals wichtig, den jungen Leuten mitzugeben?
In erster Linie drei Dinge wollte ich jungen Menschen mitgeben: echte alternative Freizeiterlebnisse, manchmal auch abenteuerlich, die Erfahrung einer fröhlichen christlichen Gemeinschaft und durch die frohe Botschaft den Glauben an Christus wecken und stärken.
Mit einem Bus voller Bibeln, Geschichten und Spiele durch die Pfalz – gab es einen Moment oder ein Gespräch am Bus, das du nie vergessen wirst?
Viele: Da stand ich unter anderem auf der Landesgartenschau, dem „Exe“ in Pirmasens, vor der Stiftskirche in Landau sowie auf der Fanmeile in Kaiserslautern bei der WM 2006. Viele Menschen haben das Angebot, auch zur Seelsorge genutzt. Da konnte ich viele tiefgehende Gespräche führen. Auch Begegnungen mit Gemeindegruppen waren so ein Ding. Ein Frauenkreis in Oberbexbach fragte mich einmal nach meiner Schuhgröße und an Weihnachten kam ein Päckchen mit zwei Paar handgestrickten Strümpfen und lieben Grüßen – beispielsweise.
Zu der Zeit hast du auch Besuchsdienste koordiniert. Was macht für dich ein gutes Gespräch an der Haustür oder am Krankenbett aus?
Mir war wichtig, die Menschen in ihrer jeweiligen Situation wahrzunehmen, also zuhören. Hatte ich den Eindruck, dass es ihnen guttut, war es mir ein Anliegen, liebevoll einladend Glauben zu vermitteln und gegebenenfalls zum Gebet einzuladen. Das versuchte ich den Besuchsdienstgruppen in den Gemeinden weiterzugeben, damit Menschen wieder ermutigt, gestärkt und getröstet wurden. Mein Credo dabei war: „Machen Sie Ihr Ding – geben Sie weiter, was Ihr Herz Ihnen sagt!“ Und: die/der andere ist immer anders. Schätzen gelernt habe ich auch die Begleitung von Bibel-Hauskreisen. Da konnte ich Gottes Wort als Evangelium, als frohe Botschaft weitergeben und zu fröhlich zuversichtlichem Christsein ermutigen. Die „himmelgrün“-Atempausen und -Gottesdienste im Kirchenpavillon in Landau mögen ein Beispiel dafür sein.
Deine Frau und deine Kinder haben dein Engagement sicher mitgetragen. Wie wichtig war dieser familiäre Rückhalt für deine Arbeit?
Ohne meine Gudrun und deren Unterstützung hätte ich das alles nicht in der Intensität machen können. Bei Freizeiten hat sie mich unterstützt, dabei nicht nur die Küche verantwortet, auch Programm und Gruppenarbeit im Dekanat gestaltet. Auch meine Kinder haben da gerne partizipiert und die Arbeit mitgetragen. Ich war an den Wochenenden und in den Ferien oft nicht zu Hause, das haben sie akzeptiert. Auch hatten wir immer ein offenes Haus, das stand nie in Frage.
