
Wofür schlägt dein Herz?
Glaube bringt in Bewegung – Ehepaar Kamm erzählt von seiner Gottesdienst-Reise
Viele Menschen besuchen am Sonntag den Gottesdienst im eigenen Ort. Ehepaar Kamm aus Dörrenbach geht noch einen Schritt weiter: Wenn bei ihnen kein Gottesdienst stattfindet, machen sie sich auf den Weg in Nachbargemeinden oder zu zentralen Gottesdiensten im Dekanat. Im Interview mit Angela Fabian erzählen sie, wie alles begann – und warum sie andere ermutigen möchten, sich ebenfalls auf den Weg zu machen.
Wie hat es bei Ihnen angefangen?
Was hat Sie motiviert, jeden Sonntag einen Gottesdienst zu besuchen – egal wo?
Frau Kamm: Meine Mutter hat mich als Kind in die Kinderkirche und die Jungschar geschickt. Zu Hause spielte der Gottesdienst aber kaum eine Rolle. Erst, als ich selbst Kinder hatte und in der Krabbelgruppe und später in der Kinderkirche mitarbeitete, fand ich in den Sonntagsgottesdienst hinein. Und das tat mir gut.
Herr Kamm: Bei mir war der Gottesdienstbesuch schon in der Kindheit selbstverständlich. Mein Vater nahm mich jeden Sonntag mit – zu Fuß vom katholischen Bundenthal bis nach Rumbach in den evangelischen Gottesdienst. Später fuhren wir mit dem Auto. Und auch nach Umzügen ging das so weiter. Ich habe 50 Jahre in Orten gewohnt, wo es keine evangelische Kirche gab. Also bin ich immer dorthin gefahren, wo Gottesdienst gefeiert wurde. Für mich galt immer: „Gib Gott die Ehre!“ – nicht nach Lust und Laune, sondern aus Überzeugung.
Was bedeutet Ihnen der Gottesdienst persönlich?
Beide: Der Gottesdienst ist eine Zäsur. Eine bewusste Unterbrechung des Alltags – ein sichtbares Zeichen: Heute ist Sonntag, heute ist Zeit für Gott. Das trägt uns. Es stärkt uns. Auch im Urlaub besuchen wir Gottesdienste vor Ort. Das gehört einfach dazu.
Was erleben Sie, wenn Sie in anderen Gemeinden Gottesdienst feiern?
Frau Kamm: Es ist spannend, unterschiedliche Kirchen kennenzulernen – sie sind ähnlich und doch hat jede ihre eigene Atmosphäre.
Herr Kamm: Wir sind nicht auf bestimmte Personen festgelegt. Gerade die Vielfalt finden wir schön. Und wenn man einige Male im gleichen Ort war, werden die Gesichter vertrauter. Kürzlich wurden wir sogar als „Dörrenbach-Fraktion“ begrüßt – das war herrlich.
Gab es Erfahrungen, die Sie besonders berührt haben?
Herr Kamm: Oh ja. Ein Karfreitag bleibt mir besonders in Erinnerung. Auf dem Weg dorthin hörte ich ein geistliches Lied über Kopfhörer, das mich sehr berührte. Im Gottesdienst wurde Abendmahl gefeiert – das hat etwas in mir bewegt. Dieser Tag war für mich wie eine Wende in meinem Glauben und in meinem Leben.
Was würden Sie Menschen sagen, die zögern, einmal auswärts einen Gottesdienst zu besuchen?
Beide: Wir sind experimentierfreudig. Für uns gehört Bewegung zum Glauben. Wer sich auf den Weg macht, entdeckt Neues. Manche Hürden, wie „Ich kenne dort niemanden“, verschwinden. Denn mit der Zeit werden die Menschen vertrauter.
Haben Sie praktische Tipps für alle, die es einmal ausprobieren möchten?
Frau Kamm: Es hilft, sich frühzeitig zu informieren: Wo findet am kommenden Sonntag ein Gottesdienst statt?
Herr Kamm: Manchmal verbinden wir den Gottesdienstbesuch auch mit einem Fest im Ort oder einem Mittagessen. Den Gottesdienst in Gleiszellen haben wir zum Beispiel mit dem Weinfest dort verbunden oder den Gottesdienst in Billigheim mit dem Purzelmarkt.
Auch Fahrgemeinschaften können hilfreich sein. Dann ist man nicht alleine.
Ihr Fazit?
Beide: Glaube bewegt – und soll auch uns in Bewegung bringen. Es lohnt sich, am Sonntag aufzubrechen und die Vielfalt unserer Gemeinden zu entdecken.
