DER PRIOPROZESS UNSERER LANDESKIRCHE
MUTIG! ABER AUCH WOHLGEPRÜFT?
Die Prognose 2035 für die Evangelische Kirche der Pfalz
Wir werden von aktuell ca. 450.000 Mitgliedern nur noch 300.000 haben. Die Zahl der Gemeindepfarrer:innen wird von gegenwärtig 265 auf 100 geschrumpft sein. An Finanzmitteln stehen uns 45% weniger zur Verfügung. Es überrascht nicht, dass der Landeskirchenrat und die Landessynode angesichts solcher Herausforderungen zu einem grundlegenden Umbau unserer Kirche drängen, der auch Vieles in den Ortsgemeinden verändern wird.
Die Landessynode hat auf ihrer Tagung im Mai 2025 Eckpunktepapiere beschlossen, die nun in die Umsetzung gebracht werden sollen. Die Auswirkungen für unsere Kirche: Wir sind darauf angewiesen, dass noch mehr Menschen die Arbeit in unserer Kirche, als Möglichkeit zu erfüllender ehrenamtlicher Mitarbeit entdecken. Aus derzeit 15 Dekanaten sollen 4 Dekanate werden. Kirche und Diakonie sollen an den Dekanats-Standorten durch ein gemeinsames Haus enger zusammenrücken. Es soll künftig ein zentrales Verwaltungsamt für die gesamte Landeskirche und einen zentralen Kindertagesstättenverband für alle 240 Kindertagesstätten in unserer Landeskirche geben. Die Arbeit vor Ort soll durch RegioTeams geleistet werden, wie wir es etwa für die Region Bad Bergzabern seit einigen Jahren aufbauen.
Die gegenwärtig ca. 395 Kirchengemeinden stellen als Körperschaften des öffentlichen Rechts einen hohen Verwaltungsaufwand dar und sollen zu Körperschaften des kirchlichen Rechts verwandelt werden. Konkret bedeutet das: Es wird keine Presbyterien mehr geben, sondern Ortskirchenräte, die ein Budget verwalten und die Arbeit organisieren.
Die Gemeinde vor Ort ist nicht mehr Besitzerin von Eigentum und kann kein Personal mehr anstellen. Dies wird auf die Ebene der Dekanate verlagert, um vor Ort von den Diskussionen um Haushalt, Gebäude und Verwaltung zu entlasten.
Auch im Bereich der Bildung, der Seelsorge, der gesamtkirchlichen Dienste sind umwälzende Reformen geplant. Selbst die Frage, ob unsere Landeskirche auf Dauer nicht mit Nachbarlandeskirchen fusionieren muss, wird ausgelotet. Da die geplanten Veränderungen verfassungsändernde Gesetze notwendig machen, werden diese gegenwärtig für die Novembersynode vorbereitet. Verfassungsänderungen ziehen aber auch eine Anhörungspflicht der Bezirkssynoden und der Presbyterien nach sich. Die Bezirkssynoden und die Presbyterien können hierzu im Jahr 2026 gutachterlich Stellung nehmen, bevor die Landessynode dann endgültig diese Veränderungen mit einer Zweidrittelmehrheit auf den Weg bringen kann.
Kirche wird sich verändern müssen, um in einem gesellschaftlichen Umfeld, in dem die Bedeutung der Kirche schwindet, auch weiterhin mit ihrer lebensförderlichen Botschaft gehört und gesehen zu werden. Wir haben bereits viele Veränderungen und Neuerungen gewagt mit dem Weg zu mehr regionaler Teamarbeit. Manche Eckpunkte haben in unserem Dekanat aber auch heftige Diskussionen ausgelöst. Vor allem die Verlagerung der Körperschaftsrechte auf die Ebene der Dekanate wird kritisch gesehen, da hier massiv in die Selbstbestimmung der örtlichen Kirchengemeinde eingegriffen wird und sich das presbyteriale System unserer Kirche, die sich bisher von unten nach oben strukturiert hat, in Auflösung befindet.
In einer Zeit, in der die Errungenschaften der Demokratie weltweit unter Druck stehen und in einer Kirche, die noch viel stärker auf Ehrenamtliche angewiesen ist, die eigenverantwortlich gestalten, sind das nach meiner Meinung die falschen Weichen, die gestellt werden.
Außerdem steht der große Wurf einer zentralen Verwaltung auf den tönernen Füßen der Behauptung, diese würde dann effizienter und günstiger werden.
Noch sind die Verfassungsänderungen nicht beschlossen und ich sehe es als unsere protestantische Pflicht, diesen Prozess kritisch und konstruktiv zu begleiten, damit wir auch wohlgeprüft haben, auf welchen Wegen wir künftig in unserer Landeskirche gemeinsam mutig voranschreiten wollen.
Dekan Dietmar Zoller
