Kirche und Fußball – das matcht!?

Impuls von Pfarrer Robin Braun

Ich bin seit vielen Jahren Fußballfan und gerne im Stadion.
Dabei ist mir irgendwann aufgefallen: Fußball und Kirche – das passt einfach genial zusammen!
Nicht umsonst haben manche Stadien (wie auf Schalke) mittlerweile eine Stadionkapelle. Und wer auch im Tod sein Bekenntnis zum HSV spricht, der lässt sich auf dem vereinseigenen Friedhof bestatten.
Wenn die gegnerische Mannschaft plötzlich in Führung geht, dann spricht der ein oder andere Fan sein Gebet.

Überhaupt gibt es bei einem Stadionbesuch unheimlich viele Parallelen zu einem Gottesdienst.
Es beginnt damit, dass man sich besonders anzieht.
Viele Gottesdienstbesucher:innen lassen sich Zeit bei der Wahl ihrer "guten Klamotten", mit denen sie die Kirche betreten möchten.
Auch die Fans im Stadion machen sich zurecht: Ein Trikot und mindestens ein Schal sollten es schon sein.
So mancher trägt sogar an den Armen noch einen oder gleich mehrere Schals – so wie ich früher!

Dass ein Fußballspiel in gewisser Weise sogar eine Liturgie hat, damit hat sich der Praktische Theologe Prof. Kristian Fechtner von der Universität Mainz in seinem aktiven Lehrdienst gerne auseinandergesetzt.

Wie bei einem Gottesdienst trifft man sich erst und quatscht miteinander – auf der Tribüne statt in den Kirchenbänken, alternativ am Bier- oder Essensstand.
Zumindest die Fans, die – so wie ich früher – auf der Stehtribüne in der Nähe der Ultras ihren Platz haben, sind schon früh da.

Irgendwann geht es dann los – die Vereinshymne oder das Lied zum Einzug erklingt: das „Orgelvorspiel“ und „Gemeindelied“ der Stadionbesucher:innen.

Überhaupt wird im Stadion viel gesungen – und wie bei einem besonders liturgisch geprägten Gottesdienst gibt es sogar Wechselgesänge oder den Ruf des Capo auf dem Zaun und den Antwortgesang der „Gemeinde“!
Und: Man ist da, um jemandem zu zeigen, dass er der Mittelpunkt ist: in der Kirche Jesus, im Stadion die Mannschaft auf dem Platz.

Manche Spieler beten sogar auf dem Platz.
Beim ersten Vorrundenspiel der aktuell laufenden WM bildeten die deutschen Nationalspieler Jonathan Tha und Felix Nmecha mit der gegnerischen Mannschaft einen gemeinsamen Kreis zum Gebet. Dieser löste eine kontroverse Debatte aus über ein Zeichen der Verbundenheit einerseits, und andererseits sahen einige darin eine zu arg missionarische Geste, oberflächlich, einen weichgespülten und bequemen Jesus verkündigend. Mancher nannte es sogar evangelikal und queerfeindlich.

Da kam beides auf dem Fußballplatz einmal ganz deutlich zusammen – Kirche und Fußball.

Ist es oberflächlich oder gar missionarisch, gemeinsam zu beten, dort wo alle es sehen?
Oder ist es nicht einfach ein Glaubenszeugnis?

Ich erzähle als Pfarrer sehr viel von meinem Glauben. Von meinen Lebenserfahrungen und Problemen und Momenten, in denen mir mein Glaube Halt und Stärke gegeben hat. Ich erzähle davon in Predigten oder im Netz.
Ich sehe es als ein Zeugnis echten gelebten Glaubens. Mit Geschichten, die vielleicht auch anderen helfen, weil sie denken: „Oh ja, das hab ich schon ähnlich erlebt.“
Die Reichweite dieses gemeinsamen Gebets beim WM-Spiel werde ich wohl nie erreichen.

Wie auch immer man zu diesem Gebetskreis steht: Er hat zumindest ein Gespräch über den Glauben in die Öffentlichkeit getragen.
Und er hat eine klare Botschaft gesendet: Auch, wenn man auf dem Platz für 90 Minuten Gegner ist, so spielen Christ:innen am Ende alle im selben Team und sind weltweit verbunden.

Ein starkes Signal, das Grenzen überwindet – vor allem in unseren Köpfen.
Mitten auf dem Fußballplatz setzen Spieler zweier Teams ein Zeichen des Glaubens, der Einheit und des Friedens.

Dein Pfarrer Robin Braun